Schweizerische Vereinigung Blutstammzellen-Transplantierter


Fachkommentar – Hoffnungen auf Heilung

Trotz grosser Fortschritte in der Behandlung von Leukämien mit Chemotherapie ist die Transplantation von eigenen (autologen) oder fremden (allogenen) Blutstammzellen oft die einzige Therapie mit Aussicht auf langfristige Stabilisierung der Krankheit. Entsprechend hat sich diese Therapie als vielversprechende Behandlung durchgesetzt: Sie bringt Patientinnen und Patienten berechtigte Hoffnung auf Heilung.

Jeden Tag kann es geschehen. Ein bisher gesunder Mensch wird aus seinem Alltag gerissen und sieht sich einer akuten lebensbedrohlichen Situation gegenüber: das Knochenmark versagt seine Funktion. Es fehlen genügend normale rote Blutkörperchen, genügend weisse Blutkörperchen und genügend Blutplättchen. Müdigkeit, blaue Flecken oder eine hartnäckige Infektion sind meist die ersten Symptome. Betroffen können alle sein; kleine Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder ältere Menschen. Die Ursachen sind unterschiedlich, bei einem Teil der Erkrankten ist die Leukämie auf eine genetische Schädigung durch früher durchgemachte Chemotherapien zurückzuführen, meist ist aber die Ursache unklar. Immer ist die Reaktion ähnlich: Warum gerade ich? Kann man mir helfen? Werde ich sterben?

Die Antwort ist oft kompliziert. In einigen Situationen ist die Begleitung des Kranken die vernünftigste Entscheidung. Es gibt aber auch weichere Chemotherapien bei älteren Menschen oder intensive bei jüngeren Betroffenen und bei Hochrisikosituationen – wenn die Chancen auf Heilung ohne Transplantation gering sind auch die Stammzelltransplantation. Die allogene Stammzelltransplantation versucht über ein neues Immunsystem mit gesunden Stammzellen der Krankheit Einhalt zu gebieten. Wann welche Therapie am besten zum Einsatz kommt, wird von den verschiedenen Spezialisten – abhängig vom Risiko der Krankheit und von der Möglichkeit einer Transplantation – beurteilt.

Die Transplantation von blutbildenden Stammzellen ist heute eine wichtige Behandlungsform. Sie ist so gut möglich, weil das Knochenmark ein sich selbst erneuerndes Organ ist. Das Spenden von Blutstammzellen aus dem Knochenmark oder aus dem peripheren Blut ist normalerweise ohne bleibende Folgen möglich. Oft ist die Spenderin oder der Spender ein Geschwister. Häufiger sind es gesunde, unverwandte Spenderinnen und Spender, die sich für dieses Geschenk an Unbekannte freiwillig zur Verfügung stellen. Heutzutage kommen dank neuer Technologie auch immer mehr Stammzelltransplantationen von halbpassenden Verwandtenspendern in Frage. Weltweit sind so über 30 Millionen Menschen als Spender registriert. Allein dieses schöne Zeichen internationaler Verbundenheit soll Mut und Hoffnung geben.

Die Transplantation blutbildender Stammzellen ist auch heute noch eine komplexe, belastende und teure Therapieform, die Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen manchmal den Grenzen der Belastbarkeit aussetzt. In dieser Zeit ist Unterstützung von allen Seiten notwendig: Es ist gut zu wissen, dass es die Schweizerische Vereinigung der Blutstammzelltransplantierten gibt. Ihre Mitglieder stehen mit Zeit und Rat zur Verfügung. Sie geben auch ein lebendiges Beispiel, dass es gelingen kann, die Krankheit zu überwinden.

Prof. Dr. Jakob Passweg Chefarzt Hämatologie, Stv. Leiter Zentrum für Hämato-Onkologie

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